Sorgerechtsverfügung

Wer seine Vorsorge regelt, sollte nicht nur an sich selbst denken. Was passiert zum Beispiel mit minderjährigen Kindern, wenn plötzlich beide Elternteile sterben? Oder die alleinerziehende Mutter schwer erkrankt und sich nicht mehr um die eigenen Kinder kümmern kann? Für solche Horrorszenarien sorgen Sie mit einer Sorgerechtsverfügung und Sorgerechtsvollmacht vor.

- Die 10 häufigsten Fragen zur Sorgerechtsverfügung und -vollmacht -

Was ist eine Sorgerechtsverfügung?

Mit einer Sorgerechtsverfügung (umgangssprachlich auch als „Elterntestament“ bekannt) bestimmen Eltern, wer sich im Todesfall um die eigenen Kinder kümmern soll. Dazu bestimmen Sie eine oder mehrere Personen, die das Sorgerecht im Ernstfall bekommen sollen – zum Beispiel Verwandte oder Freunde. Das ist wichtig, weil Verwandte oder Taufpaten nicht automatisch das Sorgerecht für minderjährige Vollwaisen bekommen. Die Sorgerechtsverfügung hat also durchaus Ähnlichkeiten mit einem Testament. Mit beiden Dokumenten legen Sie bestimmte Regelungen fest, die erst nach dem Tod des Verfassers eintreten.

Merke

Wichtig: Die Sorgerechtsverfügung ist nicht rechtlich bindend. Sie machen dem Richter lediglich einen Vorschlag, wer das Sorgerecht bekommen soll. Im Normalfall halten sich die Gerichte jedoch an Ihren Vorschlag – es sei denn, das Wohl des Kindes ist durch Ihren Vorschlag gefährdet.

Was ist eine Sorgerechtsverfügung?
Wie unterscheiden sich Sorgerechtsverfügung und Sorgerechtsvollmacht?

Wie unterscheiden sich Sorgerechtsverfügung und Sorgerechtsvollmacht?

Eine Sorgerechtsverfügung klärt nur die Vorsorge im Todesfall der Eltern. Mit einer Sorgerechtsvollmacht können Sie zusätzlich regeln, was bei Handlungsunfähigkeit der Eltern passiert. Wer soll das Sorgerecht ausüben, wenn Sie das nicht mehr können? Das können Sie mit einer Sorgerechtsvollmacht festlegen.

Tipp

Tipp: Für eine optimale Vorsorge sollten Sie Sorgerechtsvollmacht und Sorgerechtsverfügung miteinander kombinieren.

Was passiert ohne Sorgerechtsverfügung?

Wenn beide Elternteile sterben, bestimmt das Familiengericht einen Vormund. Das kann ein Verwandter sein oder ein gesetzlicher Betreuer. Üben die Eltern das gemeinsame Sorgerecht aus und ein Elternteil stirbt, bekommt der überbleibende Elternteil automatisch das alleinige Sorgerecht. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Eltern getrennt leben und/oder geschieden sind.

Merke

Wichtig: Die betroffenen Kinder haben erst ab 14 Jahren ein Mitspracherecht. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte daher eine Sorgerechtsverfügung und Sorgerechtsvollmacht verfassen.

Was passiert ohne Sorgerechtsverfügung?
Was passiert ohne Sorgerechtsverfügung?

Was kann ich in einer Sorgerechtsverfügung außerdem regeln?

Neben dem Sorgerecht können Sie auch festlegen, welche Vertrauensperson Ihr Vermögen und die Finanzen der Waisen regelt. Außerdem können Sie in Ihrer Sorgerechtsverfügung auch Ihre Erbschaft ansprechen (trotzdem ist eine Sorgerechtsverfügung kein gleichwertiger Ersatz zum Testament!).

Wichtig

Übrigens: In Deutschland werden jedes Jahr etwa 1.000 Kinder zu Vollwaisen.

Wie lange gelten die Sorgerechtsdokumente?

Sorgerechtsvollmacht und Sorgerechtsverfügung gelten bis zum Widerruf oder Volljährigkeit des Kindes. Deshalb sollten Sie Ihre Dokumente alle zwei bis drei Jahre prüfen und falls nötig aktualisieren. Klären Sie zum Beispiel ab, ob Ihr gewünschter Vormund weiterhin zur Verfügung steht. Durch verändernde Lebensumstände oder einen Umzug kann sich eine solche Entscheidung verändern. Beide Sorgerechtsdokumente können Sie jederzeit widerrufen.

Wie lange gelten die Sorgerechtsdokumente?
Wie schreibe ich eine wirksame Sorgerechtsverfügung?

Wie schreibe ich eine wirksame Sorgerechtsverfügung?

Wie beim Testament gibt es für Sorgerechtsverfügung und Sorgerechtsvollmacht kaum formale Vorschriften. Beide Dokumente müssen Sie lediglich per Hand schreiben und mit Vorname, Nachname, Ort und Datum unterschreiben. Ein auf dem Computer verfasstes und ausgedrucktes Dokument ist unwirksam.

Tipp

Tipp: Geben Sie die originalen Dokumente Ihrer Vertrauensperson und behalten Sie eine Kopie. In Deutschland können Sie die Sorgerechtsverfügung außerdem kostenpflichtig beim Nachlassgericht hinterlegen.

Für wen eignet sich eine Sorgerechtsverfügung?

Eine Sorgerechtsverfügung eignet sich für alle Eltern, die die Vormundschaft für ihre minderjährigen Kinder nach ihrem Tod festlegen möchten. Eine Sorgerechtsvollmacht bietet zusätzliche Sicherheit. Grundsätzlich sind die beiden Vorsorgedokumente also für fast alle Eltern sinnvoll.

Für wen eignet sich eine Sorgerechtsverfügung?
Was kostet eine Sorgerechtsverfügung?

Was kostet eine Sorgerechtsverfügung?

Eine Sorgerechtsverfügung können Sie ohne Kosten selbst verfassen und hinterlegen. Lediglich eine Hinterlegung beim Notar oder beim zuständigen Nachlassgericht kostet Geld – meist etwa 150 Euro pro Hinterlegung. Wenn Sie sich von einem Notar zum Sorgerecht beraten lassen, müssen Sie natürlich auch die Notarkosten zahlen.

Wie wähle ich meine Vertrauensperson?

Alter, Wohnort und Lebenssituation sind die wichtigsten Kriterien Ihrer Vertrauensperson. Bedenken Sie zum Beispiel, das Großmutter in einigen Jahren vielleicht körperlich zu eingeschränkt ist, um sich um Kinder zu kümmern. In einem solchen Fall könnte das Familiengericht Ihrem Wunsch widersprechen und – in Hinblick auf das Wohl des Kindes – eine andere Person als Vormund bestimmen. Natürlich sollten Sie auch beachten, dass die erzieherischen Vorstellungen Ihres gewünschten Vormunds mit Ihren Vorstellungen übereinstimmen.

Tipp

Tipp: Wen Sie auch als Vormund bestimmen möchten: Sprechen Sie mit Ihrem Bevollmächtigten und finden Sie heraus, ob die Person für eine solch verantwortungsvolle Aufgabe überhaupt bereit ist!

Wie wähle ich meine Vertrauensperson?
Kann ein Alleinerziehender den anderen Elternteil ausschließen?

Kann ein Alleinerziehender den anderen Elternteil ausschließen?

In der Sorgerechtsverfügung können Sie Personen als Vormund ausschließen. Wenn Sie den anderen Elternteil ausschließen möchten, ist eine ausführliche Begründung notwendig. Erklären Sie, warum das alleinige Sorgerecht für den überlebenden Elternteil nicht im Wohle des Kindes wäre. Dann entscheidet das Gericht, ob Ihrem Antrag zugestimmt wird oder nicht.

- Weitere Fragen zur Sorgerechtsverfügung und -vollmacht -

Was ist eine Kindswohlprüfung?

Mit einer Kindswohlprüfung überprüft das Familiengericht, ob das Sorgerecht im Wohle des Kindes übertragen wird. Bei einer negativen Kindswohlprüfung bestimmt das Gericht einen Vormund.

Was ist eine Kindswohlprüfung?
Kann ein Elternteil das Sorgerecht ablehnen?

Kann ein Elternteil das Sorgerecht ablehnen?

Wenn ein alleinerziehender Elternteil stirbt, bekommt der überlebende Elternteil das Sorgerecht (sofern die Kindswohlprüfung positiv ist). Der Elternteil kann das Sorgerecht jedoch ablehnen – dann ist die Kindswohlprüfung negativ und das Gericht bestellt einen Vormund.

Können Großeltern zum Unterhalt für Enkel verpflichtet werden?

Wenn beide Elternteile versterben, ist das möglich. Da es sich nicht um die eigenen Kinder der Großeltern handelt, wird der Unterhaltsanspruch jedoch anders berechnet. Den Großeltern steht zum Beispiel ein größerer Selbstbehalt zu (1.400 Euro) und wenn der Unterhalt das Einkommen der Großeltern übersteigt, gibt es keine Pflicht zur Erwerbstätigkeit.

Können Großeltern zum Unterhalt für Enkel verpflichtet werden?
Kann ich mehreren Personen die Vormundschaft übertragen?

Kann ich mehreren Personen die Vormundschaft übertragen?

In Ihrer Sorgerechtsverfügung können Sie einzelne Rollen für verschiedene Person festlegen. Zum Beispiel können Sie einen Vormund für die Personensorge und einen Vormund für die Vermögenssorge bestimmen. Oder Sie bestimmen einen Hauptvormund und einen Ersatzvormund.

Kann der Vormund ablehnen?

Der gewünschte Vormund kann das Sorgerecht ablehnen, muss das jedoch gut begründen können. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Vormund aufgrund einer Krankheit oder Lebenssituation die Betreuung nicht übernehmen kann. Außerdem können Personen ab 60 Jahren das Sorgerecht aufgrund des hohen Alters ablehnen.

Tipp

Tipp: Um sich gegen einen möglichen Widerspruch abzusichern, können Sie einen Ersatz-Vormund in Ihrer Sorgerechtsverfügung ernennen.

Was passiert ohne Sorgerechtsverfügung?
Können Kinder den Vormund ablehnen?

Können Kinder den Vormund ablehnen?

Kinder ab 14 Jahren können Einspruch gegen den festgelegten Vormund einlegen. Dann entscheidet das Gericht, ob diesem Einspruch stattgegeben wird oder nicht. Da es um das Wohl des Kindes geht, haben Einsprüche häufig Erfolg.

- Finanzielle Absicherung Ihrer Kinder nach dem Tod -

  • Voll- und Halbwaisenrente
    Leibliche und adoptierte Kinder können nach dem Tod eines Elternteils oder beider Eltern einen Anspruch auf Halb- oder Vollwaisenrente haben. Während die Halbwaisenrente einen finanziellen Ausgleich schaffen soll, sichert die Waisenrente das Kind finanziell ab. Voraussetzung für beide Waisenrenten ist eine Einzahlung der Eltern von mindestens fünf Jahren in die Deutsche Rentenversicherung.
  • Unfallversicherung
    Die Unfallversicherung kann ebenfalls einen Teil der Waisenrente übernehmen. Zum Beispiel, wenn ein Elternteil bei einem Betriebsunfall tödlich verunglückt.
  • Lebensversicherung
    Eine Risikolebensversicherung oder eine Kapitallebensversicherung bietet Eltern zusätzliche Absicherung für die eigenen Kinder. Informieren Sie sich vor Abschluss Ihrer Lebensversicherung jedoch umfassend und vergleichen Sie verschiedene Versicherungsanbieter.
Finanzielle Absicherung Ihrer Kinder nach dem Tod
Merke

Wichtig: Bei minderjährigen Kindern erhält der Vormund die Waisenrente. Das Geld darf jedoch ausschließlich für den Lebensunterhalt des Kindes verwendet werden. Waisenrenten werden mit Leistungen wie Unterhalt oder Bafög verrechnet.