Patientenverfügung

Die Patientenverfügung ist das wichtigste Vorsorgedokument im deutschsprachigen Raum. In diesem Kapitel stellen wir Ihnen die Patientenverfügung vor und beantworten Ihnen alle wichtigen Fragen zum Dokument. Vom Inhalt über die juristischen Vorgaben bis zur Formulierung Ihrer Patientenverfügung.

- Die wichtigsten Fragen auf einem Blick -

Was ist eine Patientenverfügung?

Eine Patientenverfügung ist ein Vorsorgedokument. Mit diesem Dokument können Sie genau festlegen, welche medizinischen und pflegerischen Maßnahmen Sie wünschen oder ablehnen – so bewahren Sie Selbstbestimmung, wenn Sie durch einen Unfall oder eine Erkrankung nicht mehr ansprechbar sind. Ohne Patientenverfügung entscheidet der Arzt oder die Ärztin über die Behandlung. Dabei sind Ärzte in Deutschland dazu verpflichtet, alle ihnen möglichen lebensverlängernden Maßnahmen durchzuführen.

Merke: Auf eine gültige Patientenverfügung wird zurückgegriffen, wenn der Patient nicht mehr einwilligungsfähig ist und eine medizinisch notwendige Maßnahme geplant ist.

Patientenverfügung
Patientenverfügung

Was kann ich mit einer Patientenverfügung festlegen?

In Ihrer Patientenverfügung legen Sie Ihre Wünsche bezüglich medizinischer und pflegerischer Behandlung fest. Besonders wichtig sind die Antworten auf folgende Fragen:

  • Wo möchte ich sterben?
  • Spielt mein Glauben beim Sterben eine Rolle?
  • Soll alles medizinisch Mögliche für mich getan werden?
  • Möchte ich unter jeden Umständen am Leben bleiben?
  • Möchte ich lebenserhaltende Maßnahmen, selbst wenn ich starke und dauerhafte Schäden davontragen werde?
  • Möchte ich lebenserhaltende Maßnahmen, auch wenn ich nie wieder ansprechbar sein werde?
  • Wie wichtig ist Ihnen persönliche Unabhängigkeit im Alltag?
  • Wie stehe ich zur Organspende?

Bei einer Patientenverfügung geht also auch um Ihre persönlichen Werte. Überlegen Sie, was Sie grundsätzlich als lebenserwertes Leben erachten – und unter welchen Umständen Sie sich das Leben nicht mehr vorstellen können. Wägen Sie ab, wann Sie eine kürzere Lebensspanne für mehr Lebensqualität vorziehen.

Wer braucht eine Patientenverfügung?

Eine Patientenverfügung ist für jeden Menschen sinnvoll. Das Leben verläuft nicht immer nach Plan und schwere Krankheiten oder Unfälle können uns alle treffen. Natürlich ist das Risiko für ältere Menschen besonders hoch – doch auch junge und gesunde Menschen können plötzlich schwer erkranken oder durch einen Unfall zum Pflegefall werden. Mit einer Patientenverfügung gehen Sie auf Nummer sicher und nehmen Ihren Angehörigen im Ernstfall eine gehörige Last von den Schultern.

Patientenverfügung
Patientenverfügung

Gibt es juristische Vorgaben?

Nein. Ihre schriftliche Patientenverfügung wird bereits wirksam, wenn Sie das Dokument unterschreiben und Ihre Wünsche ausreichend konkret und spezifisch formuliert haben. Dafür benötigen Sie weder einen Anwalt noch einen Notar.

Wichtig: Sie können Ihre Patientenverfügung jederzeit aktualisieren. Wenn sich Ihre Vorstellungen und Wünsche ändern, können Sie einfach eine neue Patientenverfügung verfassen und die alte Version vernichten.

Wie formuliere ich eine wirksame Patientenverfügung?

Der Bundesgerichtshof schreibt eine möglichst konkrete Darstellung der eigenen Wünsche vor. Wenn Ihre Patientenverfügung allgemeine oder widersprüchliche Aussagen enthält, kann das Dokument unwirksam werden. Beschreiben Sie Erkrankungen und welche Behandlungen Sie wünschen so konkret wie möglich!

Denken Sie daran, dass Ihre Patientenverfügung nur zurate gezogen wird, wenn Sie geschäftsunfähig sind. Konzentrieren Sie sich daher auf Krankheiten oder körperliche Zustände, die ein Siechtum und Todesnähe implizieren. Zum Beispiel Hirnschädigungen, Demenz, Koma und unheilbare Krankheiten im Endstadium. Thematisieren Sie auch Wiederbelebungsmaßnahmen und Ihre Einstellung zur Organspende.

Tipp: Um Behandlungen richtig einschätzen zu können, kann eine ärztliche Beratung sinnvoll sein – insbesondere hinsichtlich Intensiv- und Palliativmedizin. So haben Sie einen Fachmann an Ihrer Seite und können Krankheitsverläufe, Behandlungen und pflegerische Maßnahmen besser kennenlernen.

Patientenverfügung
Patientenverfügung

Ist meine Patientenverfügung für Ärzte verpflichtend?

Ihre Patientenverfügung ist sowohl für Ärzte als auch für Angehörige rechtlich bindend. Wenn sich sich Ärzte oder Pflegekräfte nicht an Ihre in der Patientenverfügung formulierten Wünsche halten, machen Sie sich vor deutschem Gesetz strafbar. Voraussetzung dafür ist natürlich eine wirksame Patientenverfügung. Außerdem müssen Ärzte über Ihre Patientenverfügung Bescheid wissen. Strafbare Handlungswünsche (z.B. aktive Sterbehilfe) sind in keinem Fall bindend.

Tipp: Ärzte müssen sich nur an ihren spezifischen Wünschen bezüglich konkreter Behandlungssituationen und Erkrankungen halten. Wenn eine Situation eintritt, die Sie in Ihrer Patientenverfügung nicht angesprochen haben, liegt die Entscheidung wieder bei Ärzten und/oder Betreuern. Diese müssen dann versuchen, nach Ihrem mutmaßlichen Willen zu entscheiden.

Wie erhält der Arzt meine Patientenverfügung?

Händigen Sie Ihrer Vertrauensperson und Ihrem Hausarzt eine Kopie der Patientenverfügung aus. Zudem sollten Sie immer eine entsprechende Notiz bei sich tragen – zum Beispiel im Portemonnaie. Dort können Sie vermerken, wo Ihre Patientenverfügung zu finden ist. Mittlerweile gibt es außerdem viele Anbieter, bei denen Sie Ihre Patientenverfügung online hinterlegen können. Wichtig ist, dass Angehörige, Freunde & Familie von Ihrer Patientenverfügung wissen und gegebenenfalls Zugang dazu haben.

Wichtig: Achten Sie darauf, dass Ihre Vertrauensperson in Ihrer Nähe wohnt und im Ernstfall schnell vor Ort sein kann. Wenn Sie keine vertrauten Personen in der Nähe haben, sollten Sie dennoch mit anderen über Ihre Patientenverfügung sprechen – zum Beispiel mit Ihrem Hausarzt, Pflegedienstmitarbeiter oder Nachbarn. Je mehr Menschen über Ihre Patientenverfügung wissen, desto besser!

Patientenverfügung

Aufbau einer Patientenverfügung

  • Zu Beginn einer Patientenverfügung muss der Vor- und Zuname, die Adresse und das Geburtsdatum des Verfassers stehen. Dann folgt eine Beschreibung der Situationen/Erkrankungen, in denen die Patientenverfügung gemäß dem Willen des Unterschreibenden umgesetzt werden soll. Dazu gehören präzise Angaben zu lebenserhaltenden Maßnahmen, Symptombehandlungen, Schmerzmedikation und künstlicher Ernährung oder Beatmung.
  • Auch eine mögliche Sterbebegleitung, der Sterbeort (zu Hause, Hospiz, Krankenhaus) sowie die Bereitschaft zur Organspende gehören in jede Patientenverfügung. Legen Sie außerdem fest, wer Sie begleiten soll, ob Sie seelsorgerliche Begleitung wünschen und ob Sie das Sakrament der Krankensalbung empfangen möchten.
  • Wenn Sie über weitere Vorsorgedokumente (zum Beispiel Betreuungsverfügung oder Vorsorgevollmacht) verfügen, sollten Sie in Ihrer Patientenverfügung darauf hinweisen. Datum und Unterschrift bekräftigen den Patientenwillen und belegen, dass der Unterschreibende zum Zeitpunkt der Erstellung volljährig und einwilligungsfähig war.
Patientenverfügung

Tipp: Je aktueller Ihre Patientenverfügung, desto besser. Gehen Sie Ihre Patientenverfügung alle zwei Jahre durch und bringen Sie das Dokument auf den neuesten Stand. Dazu reichen handschriftliche Ergänzungen, die Sie mit Datum und Unterschrift versehen. Gehen Sie dabei auf Ihre aktuelle Lebens- oder Behandlungssituation ein und überprüfen Sie die Kontaktdaten Ihrer Angehörigen.

Präzise Formulierungen

Nur präzise Patientenverfügungen sind rechtskräftig. Deshalb sollten Sie Ihre Patientenverfügung als medizinisches Dokument betrachten, das den behandelnden Fachkräften präzise Vorgaben macht. Je genauer Sie formulieren, desto besser: Viele Formulierungen sind zwar umgangssprachlich üblich, aber aus therapeutischer Sicht nicht eindeutig. Es gibt beispielsweise viele unheilbare Krankheiten, die nicht tödlich sind. Vermeiden Sie allgemeine Sätze, die verschiedene Interpretationen zulassen. Befolgen Sie außerdem folgende zwei Tipps:

  • Beschreiben Sie konkrete Einzelfälle.
    Differenzieren Sie dabei zwischen dem Endstadium einer todbringenden Krankheit, dem schleichenden mentalen und geistigen Abbau (z. B. Demenz) und der eigentlichen Sterbephase – schließlich können Ihre Entscheidungen hier voneinander abweichen und Ihre Therapieziele unterschiedlich ausfallen. Bei einer präzisen Darstellung der persönlichen Wünsche können diese auch auf Situationen übertragen werden, an die Sie nicht gedacht haben.
  • Vermeiden Sie vorgedruckte Musterformulare
    Verfassen Sie Ihre Patientenverfügung entweder von Grund auf neu oder wählen Sie einen Anbieter, bei dem Sie die Patientenverfügung nach Ihren Wünschen anpassen können. Wenn Ihre Patientenverfügung nicht eindeutig genug ausformuliert wurde, wird das Betreuungsgericht einen Betreuer bestimmen. Seine Aufgabe liegt darin, die notwendigen Entscheidungen (soweit es geht) in Ihrem Interesse zu treffen.
Patientenverfügung

Wichtig: Zwischen der Linderung von Beschwerden und der Lebenserhaltung durch medizinische Geräte gibt es – je nach Situation und Krankheitsstadium – ein breites Spektrum an Behandlungszielen. Ergeben sich aus Ihren Ausführungen Widersprüche, kann es Ihre Patientenverfügung ungültig machen.

Wertvorstellungen in der Patientenverfügung

Patientenverfügung

Selbst die detaillierteste Patientenverfügung kann unmöglich alle potentiellen Erkrankungen und Unfallszenarien beachten. Was passiert, wenn eine Situation oder Krankheit auftritt, die Sie in Ihrer Patientenverfügung nicht beschrieben haben? In einem solchen Fall müssen Ärzte (oder Betreuer) nach Ihrem mutmaßlichen Willen handeln – und das gelingt am einfachsten, wenn Sie in Ihrer Patientenverfügung Rückschlüsse auf Ihre Werte, Lebenserfahrungen und religiöse Ansichten zulassen.

Das gelingt folgendermaßen: Überlegen Sie, was Ihnen wichtig ist. Beschreiben Sie, was Sie glücklich macht (oder gemacht hat) und was Sie gerne anders gemacht hätten. Schreiben Sie auf, was Sie noch erleben oder erreichen möchten und wovor Sie Angst haben. Wie wichtig ist Ihnen ein möglichst langes Leben? Reflektieren Sie schwere Zeiten in der Vergangenheit und schreiben Sie auf, wie Sie damit umgegangen sind und was Ihnen geholfen hat. Wer hat Sie unterstützt? Wie einfach oder schwierig war es für Sie, fremde Hilfe anzunehmen?

Das gelingt folgendermaßen: Überlegen Sie, was Ihnen wichtig ist. Beschreiben Sie, was Sie glücklich macht (oder gemacht hat) und was Sie gerne anders gemacht hätten. Schreiben Sie auf, was Sie noch erleben oder erreichen möchten und wovor Sie Angst haben. Wie wichtig ist Ihnen ein möglichst langes Leben? Reflektieren Sie schwere Zeiten in der Vergangenheit und schreiben Sie auf, wie Sie damit umgegangen sind und was Ihnen geholfen hat. Wer hat Sie unterstützt? Wie einfach oder schwierig war es für Sie, fremde Hilfe anzunehmen?

Wichtig: Zwischen der Linderung von Beschwerden und der Lebenserhaltung durch medizinische Geräte gibt es – je nach Situation und Krankheitsstadium – ein breites Spektrum an Behandlungszielen. Ergeben sich aus Ihren Ausführungen Widersprüche, kann es Ihre Patientenverfügung ungültig machen.

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