Kunstherz

Etwa 2000 Menschen in Deutschland leben mit einem künstlichen Herz. Das Kunstherz ist immer letzte Rettung – und wird nur eingesetzt, wenn alle anderen Behandlungsmethoden ausgeschöpft sind. Ob Funktionsweise, Lebenserwartung oder Risiken: Im Folgenden beantworten wir Ihnen die wichtigsten Fragen zum Thema.

Was ist ein Kunstherz?

Ein Kunstherz ist kein eigenständig arbeitendes Herz. Es ist eine mechanische Blutpumpe, die den Kreislauf bei Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz unterstützt. Deshalb wird ein Kunstherz auch als Herzunterstützungssystem oder Herzkammerunterstützungssystem bezeichnet.

Ein Kunstherz kann entweder nur eine Herzkammer unterstützen oder beide gleichzeitig. Man spricht von Rechtsherzunterstützungssystemen (RVAD), Linksherzunterstützungssystemen (LVAD) und biventrikulären Unterstützungssystemen (BiVAD). Die meisten Kunstherzen unterstützen die linke Herzkammer – denn während die rechte Herzkammer nur Blut durch die Lunge pumpt, ist die linke Herzkammer für den gesamten Körper verantwortlich. Ein solchesKunstherz besteht aus Edelstahl und Kunstoff und ist etwa so groß wie eine zwei Euro Münze. Im Innern befindet sich eine winzige Turbine, die das Blut bewegt.

Wichtig

Übrigens: 1969 wurde bei einer Herztransplantation am Texas Heart Institute (USA) erstmals mit einem Kunstherz ein Kreislauf aufrechterhalten. Seitdem entwickelte man das Kunstherz immer weiter und die Systeme wurden immer kleiner. Früher war es nicht möglich, die Kunstherze in den Körper einzupflanzen. Und das Infektionsrisiko war deutlich höher!

Wann ist ein Kunstherz nötig?

Ein Kunstherz wird vor allem bei starker Herzschwäche eingesetzt. Diekleinen Pumpen entlasten die Herzkammer, halten den Kreislauf aufrecht – undwerden im Idealfall nach einiger Zeit durch ein gesundes Herz perHerztransplantation abgelöst. Die Wartezeit für ein Spenderherz liegt inDeutschland bei ungefähr einem Jahr.

Zur Herzschwäche kann es aufgrund einer Vielzahl von Erkrankungen kommen. Besonders häufig ist eine schwere Herzmuskelentzündung die Ursache. In vielen Fällen können auch langjährige Herzklappenfehler, eine koronare Herzkrankheit oder vorherige Herzinfarkte zur einer ausgeprägten Herzinsuffizienz führen.

Mittlerweile kann ein Kunstherz auch dauerhaft implantiert werden. Das ist besonders für Menschen sinnvoll, bei denen eine Herztransplantation nicht infrage kommt (zum Beispiel bei Patienten mit hohem Alter oder einem besonders kritischen Gesundheitszustandes).

Wichtig

Übrigens: Ein Kunstherz kostet etwa 80.000 EUR. Das müssen Versicherte jedoch nicht selber zahlen – die Krankenkassen übernehmen die Kosten.

Wie gelingt die Operation?

Ähnlich wie bei einer Herztransplantation ist die Operation zur Implantation eines Kunstherzens komplex. Die Operation findet am offenen Herzen statt und dauert zwischen zwei und vier Stunden. Zunächst entnehmen die Chirurgen ein kleines Stück aus dem Muskel der Herzkammer. Dort wird anschließend die künstliche Pumpe gesetzt und mit einem kleinen Röhrchen mit der Herzkammer verbunden. Ein Plastikschlauch verbindet das Kunstherz außerdem mit der Herzschlagader, damit das Blut problemlos zirkulieren kann. Ein Kunststoffkabel führt aus dem Körper hinaus und verbindet das Kunstherz mit seinem Akku. Dieses trägt der Patient meist an einem Gürtel.

Nach der Operation müssen sich Betroffene vom Eingriff erholen. Anschließend lernen die Patienten den Umgang mit dem Kunstherzen, was häufig einige Wochen Zeit in Anspruch nimmt. Sobald der Umgang gelernt ist, gibt es zunächst monatliche Kontrolluntersuchungen. Nachher können die Untersuchungen in größeren Abschnitten erfolgen.

Wie lange kann man mit einem Kunstherz leben?

Das Leben mit einem Kunstherz erfordert erhebliche Planung und Vorbereitung. Im Durchschnitt leben Menschen mit einem Kunstherz etwa drei bis fünf Jahre lang. Es gibt jedoch auch deutliche Ausnahmen – die längste bekannte Lebenszeit mit einem Kunstherz liegt bei fast 9 Jahren. In einigen Fällen kann das Kunstherz das eigene Herz sogar soweit stärken, dass das Herz den Kreislauf später wieder selbständig aufrechterhalten kann.

Was für Risiken gibt es?

Ein Kunstherz kann die Lebensqualität von Menschen mit Herzinsuffizienz deutlich erhöhen. So entlastet ein Kunstherz nicht nur das erkrankte Herz, sondern verbessert auch die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels und gewährleistet ein funktionierendes Herz-Kreislaufsystem. Wie bei fast allen Eingriffen und Behandlungsmethoden gibt es aber natürlich Risiken, die man berücksichtigen muss:

  • Über das Kabel können Keime in den Körper gelangen. Infektionen sind dann eine häufige Folge.
  • Während der Implantation kann es zu Blutungen und Gerinnsel kommen. Im schlimmsten Fall kann dies zu einem Schlaganfall führen.
  • Um die Blutgerinnung zu reduzieren, müssen Menschen mit Kunstherz lebenslang Medikamente nehmen.
  • Eine ärztliche Betreuung für den Rest des Lebens ist ebenfalls notwendig. Ärzte müssen das Herz regelmäßig überprüfen (mit Ultraschall und EKG).

Was bringt die Zukunft?

Das Kunstherz wird ständig weiterentwickelt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die künstlichen Herzunterstützer noch kleiner und leichter werden – das wird den Eingriff für Betroffene weniger belastend machen. So werden sich Kunstherzen in Zukunft immer mehr als echte Alternative zur Herztransplantation etablieren – das liegt auch an der prekären Organknappheit.

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