Das passiert bei einer unwirksamen Patientenverfügung – ein Erfahrungsbericht

Patientenverfügung.digital

erstellt am:

2022-05-30

letzte Änderung:

2022-06-17

Was passiert eigentlich, wenn die Patientenverfügung unwirksam ist? Ein Leser unseres Blogs hat mit uns eine persönliche Geschichte geteilt, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten – und mit seiner Erlaubnis hier veröffentlichen.

Anmerkung: Für unseren Blog haben wir den Text strukturell und textlich etwas angepasst.

Es folgt der Beitrag von unserem Leser:

Alles fing mit leichten Beschwerden an

Unser Papa wachte kurz vor seinem 65. Geburtstag morgens mit starken Kopfschmerzen auf. Wir frühstückten noch gemeinsam, doch sein Zustand verschlechterte sich so schnell, dass wir den Krankenwagen riefen. Noch auf dem Weg zum Krankenhaus verlor Papa das erste Mal sein Bewusstsein. Im Krankenhaus angekommen, hörte sein Herz dann auf zu schlagen und die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn war für einige Minuten unterbrochen. Es war ein Schock für uns alle.

Wiederbelebung trotz Widerspruch

Noch vor dem Krankenhausaufenthalt hatten wir für Papa ein paar Sachen gepackt – und dabei zum Glück auch an seine Patientenverfügung gedacht, die er vor einigen Jahren verfasst hat. In dieser Verfügung stand drin, dass er keine lebenserhaltenden Maßnahmen möchte. Die Notärzte sahen die Patientenverfügung rechtzeitig und kannten daher seinen Wunsch, auf lebenserhaltende Maßnahmen zu verzichten. Trotzdem belebten sie ihn wieder und schlossen ihn an Beatmungsgeräte an. Und fast noch schlimmer: Als wir das zu verhindern versuchten, wurden wir nur ignoriert.

Das war schwer für uns zu akzeptieren. Unserer Mutter litt besonders, weil sie mit Papa genau über eine solche Situation gesprochen hatte. Sie wusste, dass Papa genau diese Situation unbedingt vermeiden wollte – es war der Hauptgrund dafür, dass er überhaupt eine Patientenverfügung erstellte. Trotzdem waren uns die Hände gebunden.

Ein Rechtsanwalt schafft Abhilfe

Wir holten uns Hilfe von einem Rechtsanwalt und konnten die Entscheidung der Ärzte nach einigen Tagen erfolgreich anfechten. So erfuhren wir auch, dass die Ärzte die Wiederbelebung durchgeführt hatten, weil die Patientenverfügung zu unspezifisch war. War sich der Patient wirklich bewusst, was er dort verlangte? Die Ärzte konnten diese Frage nicht eindeutig beantworten und entschieden sich deshalb für die Wiederbelebung. Das lag auch daran, dass die Patientenverfügung einige Jahre alt und nicht aktualisiert war. Die Ärzte waren sich unsicher, ob die Patientenverfügung überhaupt noch aktuell war.

Als die Geräte endlich abgeschaltet wurden, war das ein seltsamer Moment: Zum einen waren wir erleichtert, dass wir Papas Willen endlich durchsetzen konnten. Andererseits war es nun an der Zeit, endgültigen Abschied zu nehmen. Wir hätten viel gegeben, um ihm diesen schrecklichen Zustand von Anfang zu ersparen.

Anmerkung von Patientenverfügung.digital

Was also war das Problem? Legt man mit einer Patientenverfügung nicht verbindlich fast, was mit einem im Notfall passieren soll? Ja, allerdings gibt es einige Vorgaben zu erfüllen. Besonders wichtig: Die Patientenverfügung muss sich immer auf Behandlungsmaßnahmen in konkreten Situationen beziehen. Es reicht also nicht aus, „lebensverlängernde Maßnahmen“ im Allgemeinen abzulehnen. Die Ärzte müssen wissen, welche Maßnahmen Sie in welchen Situationen ablehnen. Auch weil „lebensverlängernde Maßnahmen“ ein sehr allgemeiner Begriff ist – unter Umständen kann man bereits ein einfaches Medikament als lebensverlängernd interpretieren.

Übrigens: Solche und ähnliche Anforderungen für eine wirksame Patientenverfügung sind vom Bundesgerichtshof vorgegeben. Wenn eine Patientenverfügung zu unkonkret formuliert ist, ist sie per Gesetz unwirksam. Mehr dazu: BGH-Urteil: Deshalb muss Ihre Patientenverfügung präzise formuliert sein

Erschwerend kam bei unserem Leser natürlich noch hinzu, dass die Patientenverfügung veraltet war. Deshalb ist es immer sinnvoll, die Patientenverfügung jährlich zu überprüfen und neu zu unterschreiben.

Fazit: Solche Geschichten sind kein Einzelfall

Tatsächlich haben noch immer viele Menschen eine unwirksame Patientenverfügung, ohne es zu wissen. Denn es gibt einige Faktoren, die im Ernstfall schnell zur Unwirksamkeit führen können (mehr zum Thema: Deshalb kann selbst eine gültige Patientenverfügung unwirksam sein)

Für medizinische Laien ist das Erstellen einer wirksamen Patientenverfügung deshalb alles andere als einfach. Bei unserem Leser haben kleine Unachtsamkeiten und Ungenauigkeiten in der Patientenverfügung gereicht, um das Dokument unwirksam zu machen. Wer das verhindern möchte, sollte auf professionelle Hilfe beim Erstellen der Patientenverfügung setzen. Entweder beim Arzt Ihres Vertrauens oder bei einem Service wie Patientenverfügung.digital. Die Erstellung einer Patientenverfügung ist bei uns kostenlos.

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