Vorsorgevollmacht: Was ist eigentlich eine Untervollmacht?

Patientenverfügung.digital

16.2.2021

Mit einer Vorsorgevollmacht können Bevollmächtigte in bestimmten Fällen Untervollmachten erstellen. Wann das sinnvoll ist und wie Untervollmachten genau funktionieren, erfahren Sie in diesem Artikel.

Was ist eine Vorsorgevollmacht?

Bei einer Vorsorgevollmacht bestimmen Sie einen Bevollmächtigten, der Sie bei Geschäftsunfähigkeit in bestimmten Angelegenheiten vertreten kann – zum Beispiel in Gesundheitsfragen, Aufenthalts- und Wohnungsangelegenheiten oder beim Post- und Fernmeldeverkehr. In einer Vorsorgevollmacht können Sie genau festlegen, welche Bereiche Sie an Ihren Bevollmächtigten übertragen möchten und welche nicht.

Tipp: Mehr Informationen zur Vorsorgevollmacht erhalten Sie in unserem großen Ratgeber zur Vorsorge oder in unseren Artikeln Vorsorgevollmacht - Die 8 wichtigsten Fragen im Überblick, Vorsorgevollmacht: Deshalb ist sie für jeden wichtig.

Was ist eine Untervollmacht?

Mit einer Untervollmacht können Sie für den Fall vorsorgen, dass Ihr Bevollmächtigter verhindert ist. Ihr Bevollmächtigter kann die Vertretungsbefugnis dann mit einer Untervollmacht auf eine dritte Person übertragen. In einem solchen Fall vertritt Sie also nicht Ihr Bevollmächtigter, sondern der Unterbevollmächtigte.

Beispiel: In Ihrer Vorsorgevollmacht legen Sie fest, dass Ihr Bruder Ihre Bankgeschäfte erledigen soll, wenn Sie geschäftsunfähig sind. Außerdem haben Sie erklärt, dass Ihr Bruder Ihrer Tochter eine Untervollmacht erteilen darf. Das bedeutet: Wenn Ihr Bruder nun verhindert ist, erteilt dieser eine Untervollmacht an Ihre Tochter und Ihre Tochter erledigt Ihre Bankgeschäfte in Ihrem Namen.

Was kann der Bevollmächtigte übertragen?

Eine Untervollmacht kann nicht umfangreicher als die ursprüngliche Vorsorgevollmacht sein. Ihr Bevollmächtigter kann also nur die Befugnisse übertragen, zu denen er selbst berechtigt wäre.

Tipp: Sie können in Ihrer Vorsorgevollmacht genau festlegen, welche Bereiche Ihr Bevollmächtigter an eine dritte Person übertragen darf und welche nicht. Sie können zum Beispiel festlegen, dass der Bevollmächtigte Alltagsaufgaben an Dritte übertragen darf, aber keine Entscheidungen bezüglich der Gesundheitssorge.

Wann ist eine Untervollmacht sinnvoll?

Das hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Grundsätzlich lässt sich festhalten: Wenn Sie Ihren Bevollmächtigten uneingeschränkt vertrauen, kann eine Untervollmacht sinnvoll sein. Dann bieten Untervollmachten eine zusätzliche Absicherung – und Sie erleichtern Ihrem Bevollmächtigten unter Umständen die Betreuung und Erledigung Ihrer Angelegenheiten.

Tipp: Eine Untervollmacht kann außerdem eine gerichtliche Betreuung verhindern. Sollte Ihr Bevollmächtigter sich nicht um Ihre Belange kümmern können, bestellt das Gericht häufig einen Berufsbetreuer – es sei denn, es liegt eine Untervollmacht vor.

Wann wird die Untervollmacht wirksam?

Die Untervollmacht wird wirksam, sobald der Bevollmächtigte sie erteilt. Der Unterbevollmächtigte muss die Untervollmacht jedoch im Original besitzen – ansonsten kann er für den Vollmachtgeber nicht entscheiden und handeln. Wie bei der Vorsorgevollmacht ist eine Kopie nicht ausreichend!

Tipp: Bei einer Generalvollmacht muss die Bevollmächtigung für das Erstellen von Untervollmachten nicht extra erwähnt werden. Im Gegensatz zu einer Vorsorgevollmacht ist der Bevollmächtigte einer Generalvollmacht automatisch befugt, Untervollmachten zu erteilen.

Was muss ich außerdem beachten?

Sie sollten in Ihrer Vorsorgevollmacht genau festlegen, ob Sie Ihrem Bevollmächtigten das Erstellen von Untervollmacht erlauben oder nicht. Wenn Sie das nicht tun, liegt die Ausstellung von Untervollmachten im Zweifelsfall beim Gericht. Laut dem Bundesgerichtshof ist eine Untervollmacht nicht zulässig, wenn der Vollmachtgeber klar erkennbares Interesse an einer persönlichen Vertretung des Bevollmächtigten hat (BGH BB 59, 13; Mü WM 84, 834).

Kann ich die Untervollmacht widerrufen?

Gemäß § 168 BGB können Sie die Untervollmacht jederzeit widerrufen. Wenn Sie Ihre Untervollmacht widerrufen möchten, sollten Sie eine entsprechende Erklärung aufsetzen und die Vollmacht bzw. Untervollmacht nach Möglichkeiten vernichten. Sie können eine Vollmacht von Anfang an zeitlich begrenzen. Sobald der Zeitpunkt erreicht ist, erlischt sowohl die Vollmacht als auch die Untervollmacht.

Tipp: Sie können die Untervollmacht nur widerrufen, wenn Sie Ihre Vollmacht nicht ausdrücklich als unwiderruflich gestaltet haben.

Gibt es eine Alternative zur Untervollmacht?

Eine Alternative zur Untervollmacht können mehrere Vertrauenspersonen in der Vorsorgevollmacht sein. Sie können zum Beispiel einen Bevollmächtigten für einen bestimmten Bereich bestimmen und einen anderen Bevollmächtigten für einen anderen Bereich. Oder Sie bestimmen mehrere Bevollmächtigte und wählen einen Hauptbevollmächtigten in Ihrer Vorsorgevollmacht.

Das Verhältnis zwischen den Bevollmächtigen sollten Sie über das sogenannte Innenverhältnis regeln. Mit dem Innenverhältnis können Sie genau festlegen, wie Ihre Vertrauenspersonen die Vollmacht einsetzen dürfen.

Tipp: Sie können auch mehrere Vertrauenspersonen bevollmächtigen und diese gleichzeitig zur Austeilung von Untervollmachten berechtigen.

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