Plötzlich ist alles anders - Vier Filme über das Leben nach der Diagnose

Fabian Hebestreit

30.1.2019

Bisher haben sich unsere Filmtipps damit beschäftigt, wie Kinder und Partner reagieren, wenn jemand plötzlich erkrankt. Aber wie gehen die Betroffenen selbst damit um? Wir haben vier Filme ausgesucht, die sich genau dieser Frage stellen.

Leben nach Diagnose

Gerade jüngere Leute rechnen nicht damit, dass sie plötzlich erkranken oder auf Hilfe angewiesen sein können, die wenigsten von ihnen haben eine Patientenverfügung (falls Sie auch noch keine haben, schauen Sie einfach mal in unseren Ratgeber). So ergeht es in „Mein Leben Ohne Mich“ (erhältlich auf DVD) auch der jungen Ann, gespielt von Sarah Polley, deren eigenes Regiedebüt „An Ihrer Seite“ wir letzte Woche vorgestellt haben. Gerade mal 23 Jahre ist die verheirate Mutter zweier Kinder, als bei ihr Eierstockkrebs diagnostiziert wird, Lebenserwartung: Zwei Monate. Ann beschließt, ihrer Familie nichts zu sagen und schreibt stattdessen eine Liste mit all den Dingen, die sie vor ihrem Tod noch erledigen möchte. Das mit Stars wie Mark Ruffalo und Blondie-Sängerin Deborah Harry in den Nebenrollen besetzte leise Drama feiert die kleinen Glücksmomente des Lebens und schafft es, trotz der ausweglosen Situation der Hauptfigur dem Zuschauer Trost und Hoffnung zu spenden.

Will Reiser war 25, als an seiner Wirbelsäule ein Tumor festgestellt wurde. Nach erfolgreicher Chemotherapie verarbeitete er seine Erfahrungen in dem Drehbuch zu der Komödie „50/50 – Freunde Fürs (Über)Leben“ (erhältlich bei Amazon und iTunes). Darin spielt Joseph Gordon-Levitt den 27jährigen Adam, der sich der Diagnose Krebs stellen muss. Während seine Freundin Rachael sich immer mehr von ihm zurück zieht und seine Mutter (gespielt von Oscar-Preisträgerin Anjelica Huston) Schwierigkeiten hat, vollends für ihn da zu sein, da sie bereits mit der Alzheimer-Erkrankung ihres Mannes kämpft, ist es überraschenderweise Adams bisher immer unreifer Freund Kyle, der ihm Halt gibt. Kyle wird verkörpert von Seth Rogen, der auch im realen Leben der beste Freund von Autor Will Reiser ist und sich somit quasi selbst spielt. „50/50“ ist traurig und komisch zugleich und verschafft es wie kaum ein zweiter Film, Patienten mit einer ähnlichen Diagnose wieder Mut zu machen.

Rein tragisch hingegen geht es zu in „Still Alice – Mein Leben Ohne Gestern“ (zu sehen auf Amazon Prime), basierend auf dem gleichnamigen Bestseller der Schriftstellerin und Neurowissenschaftlerin Lisa Genova. Darin verkörpert Julianne Moore, die für diese Rolle den Oscar als beste Hauptdarstellerin gewann, eine Linguistin, die mit Anfang 50 an einer erblich bedingten, früh einsetzenden Form von Alzheimer erkrankt. Ihr Mann John (gespielt von Alec Baldwin) und die drei erwachsenen Kinder (u.a. Kristen Stewart) versuchen, für sie da zu sein, aber müssen irgendwann vor der Krankheit kapitulieren. Der Film zeigt schonungslos, was es für Alice bedeutet, ihre Erinnerungen zu verlieren, aber er macht auch deutlich, dass sie trotz allem nicht sich selbst verliert.

Auch Lotje Sodderland kämpft um ihre Identität, seit sie mit 34 überraschend eine Hirnblutung erlitt. Die Dokumentation „My Beautiful Broken Brain“ (zu sehen bei Netflix) schildert das erste Jahr ihrer Genesung nach ihrem Schlaganfall und einer daraus resultierenden Notfall-Hirnoperation. Noch während sie im Krankenhaus lag und mühsam versuchte Sprechen, Lesen, Schreiben und einfache Vorgänge wie Schnürsenkelbinden neu zu erlernen, begann sie, sich selbst auf ihrem Smartphone zu filmen. Diese intimen Selbstaufnahmen bilden das Herzstück einer sehr persönlichen Geschichte einer jungen Frau, die auf einen Schlag ihr bisheriges Leben verlor und bis heute Probleme in ihrem Alltag hat.

Von Komödien über Tragödien bin hin zu Dokumentationen, es gibt viele Möglichkeiten, die Geschichten von Menschen zu erzählen, deren Leben sich plötzlich verändert. Sehr ans Herz legen möchten wir zum Beispiel auch die wenig bekannte Tragikomödie „Ganz und Gar“ (verfügbar auf Amazon, Google Play und iTunes, hier der Trailer). In dem Debüt von „Krabat“-Regisseur Marco Kreuzpaintner verliert der junge Torge durch einen Arbeitsunfall sein rechtes Bein und versucht, seine Angst mit Zynismus zu überspielen. Haben Sie auch einen Geheim-Tipp auf Lager? Hinterlassen Sie uns einen Kommentar, welchen Film Sie Betroffenen besonders an Herz legen würden.

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