Patientenverfügung und Palliativmedizin: 10 wichtige Fragen im Überblick

Luis Sánchez

2019-02-01

Wer eine Patientenverfügung verfasst, wird sich unweigerlich zwischen palliativen und medizinischen Maßnahmen entscheiden müssen. Doch was ist Palliativmedizin eigentlich? Warum wird diese Behandlungsform in Deutschland immer beliebter und wer übernimmt die Kosten der Palliativversorgung? Diese und weitere Fragen beantworten wir Ihnen in diesem Artikel.

Patientenverfügung und Palliativmedizin

1. Was ist Palliativmedizin?

Die ganzheitliche Palliativmedizin bzw. Palliativpflege steht im Gegensatz zur kurativen Pflege, welche die Heilung des Patienten als Ziel hat. Sie wird demnach bei Patienten angewandt, bei denen es kaum oder keine Hoffnung auf Heilung gibt. „Palliativ“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „mit einem Mantel umhüllen“. Wie ein Mantel umhüllt, wärmt und schützt die Palliativmedizin den Patienten auf seinem letzten Lebensweg.

2. Welches Ziel verfolgt die Palliativmedizin?

Das Hauptziel ist die Linderung von körperlichen Beschwerden. Die Palliativmedizin möchte eine höchstmögliche Lebensqualität für den Patienten (und seine Angehörigen) erreichen – das kann nach Absprache mit dem Patienten auch bedeuten, auf lebensverlängernde Maßnahmen zu verzichten, wenn diese das Leiden stark erhöhen.

Außerdem gehört zur Palliativpflege eine psychosoziale oder spirituelle Begleitung. Es geht darum, das Leben zu bejahen und den Tod als natürlichen Prozess zu akzeptieren. Dabei helfen ausgebildete Psychologen oder Seelsorger – Palliativmedizin ist deshalb immer Teamarbeit von Ärzten, Pflegern, Sozialarbeitern, Physiotherapeuten und vielen weiteren Fachkräften.

„Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben – sondern den Tagen mehr Leben.“
- Cicely Saunders

3. Welche Formen der Palliativmedizin gibt es?

  • Stationäre Palliativmedizin
    Die stationäre Palliativmedizin findet in Hospizen und Palliativstationen von Krankenhäusern statt. In einigen Kliniken gibt es außerdem palliativmedizinische Konsiliardienste (PKD), die schwerkranke Patienten betreuen, wenn diese nicht auf einer Palliativstation liegen. Wenn keine Hoffnung auf Heilung besteht, bieten viele Kliniken überdies eine Sterbebegleitung an.
  • Ambulante Palliativmedizin
    Viele Menschen möchten in vertrauter Umgebung sterben. Das ermöglicht die ambulante Palliativmedizin. Ärzte, ambulante Pflegedienste oder ehrenamtliche Helfer betreuen den Patienten in einem solchen Fall zuhause oder im Kreise der Liebsten. Mit einer „spezialisierten ambulanten Palliativversorgung“ (SAPV) arbeiten Ärzte und Pflegedienste in einem sogenannten Palliative Care Team (PCT) zusammen, die eine Behandlung rundum die Uhr ermöglichen.

4. Wer übernimmt die Kosten für die Palliativversorgung?

Die Kosten für palliative Behandlungen werden von den Krankenkassen übernommen. Bei stationärer Palliativmedizin geschieht das automatisch nach jeder Einweisung – bei ambulanter Palliativmedizin ist dafür eine Verordnung vom Hausarzt oder Klinikarzt nötig. Wenn Sie eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) wünschen, müssen Sie die Kostenübernahme bei Ihrer Krankenkasse beantragen.

5. Für wen eignet sich Palliativmedizin?

Die Palliativmedizin eignet sich für Menschen, die ihre letzte Lebenszeit möglichst beschwerdefrei verbringen möchten. Das ist zum Beispiel bei älteren Menschen der Fall, die bald sterben werden. Oder bei Patienten mit unheilbaren Krankheiten (z.B. Krebs), die mit Palliativmedizin Schmerzen lindern möchten. Was alle Palliativpatienten gemein haben? Sie entscheiden sich für mehr Lebensqualität statt mehr Leben um jeden Preis.

6. Warum profitieren auch Angehörige von Palliativmedizin?

Die palliative Betreuung kümmert sich auch um die Angehörigen. So können Freunde und Familie zum Beispiel mit geschulten Pflegern oder Psychiatern sprechen und sich von Sorgen und Ängsten (zumindest etwas) befreien.

7. Was hat die Palliativmedizin mit der Patientenverfügung zu tun?

Wenn Sie Ihre Patientenverfügung verfassen, legen Sie Ihre Wünsche bezüglich medizinischer und pflegerischer Maßnahmen im Notfall fest. Dann können Sie natürlich auch eine palliative Behandlung wählen – und z.B. bestimmte lebensverlängernde Maßnahmen ablehnen, wenn keine Aussicht auf Heilung besteht. Außerdem können Sie Ihren Ort zum Sterben wählen und sichergehen, dass Sie das Leben in vertrauter Umgebung verlassen.

8. Wie ist das mit Palliativmedizin und Organspende?

Gut, dass Sie fragen! Wenn Sie eine Palliativversorgung zu Hause wünschen, ist eine Organspende im Normalfall nicht möglich. Für eine erfolgreiche Organtransplantation müssen die Organe mit intensivmedizinischen Maßnahmen aufrechterhalten bleiben – und das ist meist nur auf einer Intensivstation möglich. Einzige Ausnahme: Gewebespenden sind in einigen Fällen auch bei einer Palliativversorgung zu Hause möglich. Am besten erkundigen Sie sich beim Arzt Ihres Vertrauens.

9. Ist Palliativmedizin überall in Deutschland möglich?

Leider nein. In den letzten Jahren hat sich die Palliativmedizin in Deutschland zwar erheblich verbreitet – dennoch gibt es im Durchschnitt nur 40 Betten pro eine Million Einwohner in Deutschland. Das empfohlene Palliativ-Angebot liegt laut internationalen Studien bei 80 bis 100 Betten je Million Einwohner. Noch fehlen Palliativstationen in Deutschland vor allem bei kleinen Krankenhäusern.

10. Seit wann gibt es Palliativmedizin eigentlich?

Die Geschichte der Palliativmedizin beginnt im 16. Jahrhundert. Die „cura palliativa“ etablierte sich jedoch nur langsam in der Gesellschaft – erst im 19. Jahrhundert gab es die ersten stationären Einrichtungen, die Sterbende auf ihrem letzten Lebensabschnitt begleiteten.

Elisabeth Kübler-Ross war eine der ersten Psychiaterinnen, die den Sterbeprozess untersuchte und der Palliativmedizin somit mehr Aufmerksamkeit verschaffte. Weitere prägende Figuren in der Geschichte der Palliativpflege waren die Krankenschwester Cicely Saunders (errichtete in den 60er Jahren ein Sterbehospiz in London) und Balfour Mount, der 1973 eine Palliativstation in Montreal eröffnete.

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