Der Fall Thomas Leifheit: Deshalb versagte die Patientenverfügung

Patientenverfügung.digital

14.10.2019

Der Vater der Schauspielerin Sylvia Leifheit starb einen langsamen und qualvollen Tod – und zwar auf eine Art und Weise, die er in seiner wirksamen Patientenverfügung ausdrücklich ablehnte. Wie konnte es dazu kommen? Wir schauen uns den tragischen Fall an und erklären, was Verfasser einer Patientenverfügung daraus lernen können.

Patient ohne Patientenverfügung

Was war passiert?

Ende Mai 2019 berichtete die Bunte über den Fall von Thomas Leifheit. Dieser kämpfte bereits seit einigen Jahren mit Herzproblemen und erlitt 2018 mit nur 64 Jahren einen Herzstillstand. Als seine Frau den regungslosen Mann entdeckte, war dieser bereits blau angelaufen. Sie rief den Notarzt und versuchte eine Herzmassage, die keinen Erfolg hatte.

Erst 15 Minuten später traf der Notarzt ein. Das Herz von Thomas Leifheit stand zu diesem Zeitpunkt bereits 20 Minuten still. Erst nach etwa 40 Minuten gelang es dem Notarzt, Herrn Leifheit wiederzubeleben. Aufgrund seines langen Herzstillstands, war das Gehirn bereits schwer geschädigt.

Die Situation im Krankenhaus

Im Krankenhaus bekam der Vater zwei Stents und wurde in ein künstliches Koma inkl. Beatmung und künstliche Ernährung versetzt. Ein CT wurde erst nach drei Tagen – und auf Drängen der Familie – gemacht. Der Hirn-Scan ließ Schlimmstes erahnen, trotzdem machten die behandelnden Ärzte der Familie Leifheit weiter Hoffnungen.

Nach Rücksprache mit unabhängigen Ärzten legte die Familie die Patientenverfügung von Herrn Leifheit vor. In dieser erklärte er, dass er keine künstliche Beatmung und Ernährung wünsche. Die Klinik lehnte das Abstellen der Maschinen trotzdem ab.

Warum versagte die Patientenverfügung?

In ihrem Schockzustand vergaß Familie Leifheit (verständlicherweise) die Patientenverfügung. Als sie die Patientenverfügung schließlich vorlegten, war Thomas Leifheit seit einigen Tagen im künstlichen Koma. Die Klinik lehnte die Patientenverfügung ab, weil die Maschinen bereits angeschlossen waren. „Das Abstellen sei menschenunwürdig und könne als Beihilfe zum Mord angesehen werden“, erklärte die Klinik laut Sylvia Leifheit in einem Interview mit der Bunten.

Sylvia Leifheit schildert, was das für die Familie bedeutete:

"Unterschwellig wurden wir von den Ärzten dieses Verbrechens beschuldigt und wie Mörder hingestellt. Diese Vorwürfe waren entsetzlich. Wenn unser Vater uns nicht ein Leben lang immer wieder gesagt hätte, dass er niemals an solchen Maschinen dahinvegetieren möchte, hätten wir diesem immensen Druck nicht standgehalten.“

Wie starb Thomas Leifheit?

Thomas Leifheit starb einen langsamen und qualvollen Tod. Die Familie musste die Einwände der Ärzte umgehen, was durch ein schrittweises Herunterfahren der künstlichen Beatmung gelang. Irgendwann atmete Thomas Leifheit wieder komplett selbstständig – was den Sterbeprozess jedoch nur verlangsamte. Sylvia Leifheit erzählt in der Bunten:

„In seinen letzten Stunden hat sein Körper nur noch rebelliert, er hat sich aufgebäumt, Mund und Augen aufgerissen, die Maschinen sind völlig durchgedreht. Und das trotz der hohen Morphium-Dosis, die sie ihm verabreicht hatten! Es war das Furchtbarste, was ich je erlebt habe.“

Aus diesem tragischen Fall zieht Sylvia Leifheit eine ernüchternde Erkenntnis:

„Wenn erst einmal das Krankenhaus übernimmt, hat man kaum noch eine Chance auf ein selbstbestimmtes Sterben. Für mich war das eine reine Geschäftemacherei des Krankenhauses.”

Dieses Fazit ist leider nicht unbegründet. Während medizinische Leitlinien eine möglichst frühe Entwöhnung der künstlichen Beatmung empfehlen, verdienen Kliniken an einem beatmeten Patienten natürlich mehr Geld. In einer Umfrage der Universität Bremen und der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin gaben fast alle befragten Ärzte an, dass betriebswirtschaftliche Interessen medizinische Entscheidungen beeinflussen würden.

Was können Sie von diesem Fall lernen?

  • Nicht jede Patientenverfügung funktioniert im Ernstfall.
    Trotzdem bleiben Patientenverfügungen das wichtigste Vorsorgedokument, um Selbstbestimmung im Ernstfall zu bewahren. Ohne Patientenverfügung legen Sie die Entscheidung über Ihr Leben (und Ihren Tod) in die Hände Ihrer Angehörigen, Ärzte und Betreuer.
  • Die Patientenverfügung muss schnell eingesetzt werden.
    Tragen Sie am besten immer eine entsprechende Notiz in Ihrem Portemonnaie, damit Ärzte über die Patientenverfügung sofort Bescheid wissen – und auf ungewünschte Behandlungen von vornherein verzichten. Verwahren Sie die Patientenverfügung an einem leicht zugänglichen Ort auf – und bitten Sie Ihre Angehörigen, diese im Ernstfall sofort in der behandelnden Klinik vorzulegen.
  • Verfassen Sie Ihre Patientenverfügung so konkret wie möglich.
    Je spezifischer und unmissverständlicher Sie Ihre Patientenverfügung verfassen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Ärzte sie auch tatsächlich umsetzen.  Verzichten Sie unter jeden Umständen auf allgemeine Formulierungen mit Interpretationsspielraum – das macht Ihre Patientenverfügung unwirksam.

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Mit Patientenverfügung.digital gehen Sie auf Nummer sicher. Bei uns können Sie sich Ihre Patientenverfügung sicher, schnell und kostenlos erstellen und sich bestmöglich für den Ernstfall absichern. Mehr Informationen finden Sie in unserem umfassenden Ratgeber zur Patientenverfügung. Wenn Sie Fragen haben, schreiben Sie uns. Wir stehen Ihnen jederzeit zur Verfügung und helfen gerne!

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